Wie deine Masterthesis die Begutachtung durch die Lehrgangsleitung elegant passiert

 

Wie deine Masterthesis die Begutachtung durch die Lehrgangsleitung elegant passiert

Da steckst du wochen- und monatelangdeine Zeit und Energie in die Recherche für dein gewähltes Studienabschlussarbeits-Thema. Du führst eine Online-Umfrage und Interviews durch. Du wertest aus, schreibst alles zusammen und gibst deine Arbeit atemlos zum vereinbarten Termin ab.

Dann der Schreck: Die Lehrgangsleitung meldet dir zurück, dass die Inhalte zwar grundsätzlich passen, dass jedoch dringend an der Form und Struktur gearbeitet werden müsse. Und dass sie die Thesis so nicht akzeptieren könne.

So hattest du das nicht geplant! Tagelange, zusätzliche aufwändige Arbeit stehen dir nun bevor. Und du fragst dich, wie du dem im Vorfeld hättest vorbauen können. Hier habe ich 12 Tipps für dich, was du tun kannst, damit es nicht dazu kommt:

1. Gliederung – sind die Kapitelbezeichnungen schlüssig?

Stimmen die Inhalte mit den Übertiteln überein? Überprüfe deine Gliederung. Ziehe dazu auch das Inhaltsverzeichnis heran. Grundsätzlich gilt, inhaltlich von allgemeinen Sachverhalten zum Besonderen zu gehen, vom Bekannten zum für die Leser Unbekannten und von der Theorie zu empirischen Erhebungen. Kontrolliere: Wenn jemand den Inhalt der Arbeit nicht kennt und die Kapitelüberschriften liest: Versteht er, was ihn dort erwartet? Und – noch wichtiger – bekommt er in den jeweiligen Abschnitten auch wirklich das, was du in den Überschriften versprichst? Achte übrigens peinlich genau auf die Einteilung der Kapitelebenen und ziehe die Logik konsequent durch. Stelle sicher, dass es für jede neue Unterebene mindestens zwei Unterpunkte gibt.

2. Gedanken zu Ende führen

Führe deine Gedanken stets zu Ende. Wenn du eine Aussage triffst, überlege dir, wieso du das behauptest (das ‚Warum’). Oft hilft es, den Gedanken laut auszusprechen. Oder du tust so, als ob du mit jemandem im Gespräch bist und ihm deine Aussage begründest. Tippe die Erklärung nach dem Aussprechen sofort ins Dokument. Die Form muss hier noch nicht passen. Denn das Wichtigste ist, der Gedanke ist festgehalten. Mit Begründungen bekommt deine Arbeit mehr Tiefe und wird reflektierter. Aussagen sind schnell getroffen (‚Word ist geduldig’ und so ...). Das Zugrundeliegende ist jedoch das Interessante für Leser und beweist, dass du Profi im gewählten Thema bist!

3. Auch in Word-Texten macht Usability Sinn

Die häufig zitierte ‚Usability’ (‚Benutzerfreundlichkeit’) für Websites, Online-Prozesse und –Texte darf meiner Meinung nach ruhig auf Word-Texte ausgeweitet werden! Viele Regeln für Websites oder Web-Texte lassen sich auf Word-Texte übertragen.

  • Kennzeichne unterschiedliche Gedanken durch eigene Absätze.
  • Lange Textwürste sprechen Leser weniger an als leicht verdauliche Happen.
  • Mache Aufzählungen nicht im Fließtext, sondern präsentiere sie mit Bullet-Points oder Nummerierungen.
  • Hebe einzelne Schlüsselwörter fett hervor (niemals ganze Sätze, weil dann der Effekt der Betonung verloren geht!).

4. Überprüfe deine Quellen

Hast du alles korrekt zitiert? Im Zuge der Recherche bist du vielleicht von Seite zu Seite gesurft, hast Interessantes in die Masterarbeit eingefügt und dabei vergessen, die Quellen zu notieren und anzugeben. Später weißt du dann nicht mehr, wo du eine bestimmte Information gelesen hast. Das ist normal und passiert beim sich Durchkämpfen durch Literatur und Internetartikel ... Besonders wichtig ist jedenfalls, dass du bei der abschließenden Prüfung der Masterthesis peinlich genau darauf achtest, dass alle Aussagen und Gedanken exakt zu der Quelle führen, aus der sie stammen. Überprüfe auch, ob du wörtlich zitiert hast oder sinngemäß. Dementsprechend musst du die Zitate kennzeichnen (vgl., siehe ..., ‚wörtliches Zitat’). Tust du das nicht, genügt deine Arbeit nicht den wissenschaftlichen Anforderungen oder du wirst im schlimmsten Fall sogar des Plagiats beschuldigt.

5. Durchgängige Schreibweisen

Für viele Aspekte gibt es mehrere Darstellungs-Möglichkeiten. Hier gibt es kein richtig oder falsch, sondern es geht um Konsistenz. Schreibweisen wie für Eigennamen (Ikea oder IKEA), Geldbeträge (EUR oder Euro; EUR 100,- oder € 100,-) oder die Art des Zitierens (in Klammern im Fließtext oder mit hochgestellten Ziffern und Fußzeilen) sind möglich. Hast du dich einmal für eine Variante entschieden, musst du sie in der gesamten Arbeit beibehalten. Alles andere wirkt unordentlich, kann irritieren und den Lesefluss deiner Masterthesis beeinflussen.

6. Kurze Sätze.

Lange und verschachtelte Sätze sind schwieriger zu verstehen und anstrengender zu lesen als kurze. Manchmal verliert man sich als Leser in solchen Sätzen, muss nochmals zum Satzanfang zurück und erneut lesen. Vermeide solche Sätze, denn sie halten auf (vor allem die Begutachterin) und behindern den Lesefluss. Kurze Sätze machen Texte einfacher und kurzweiliger zu lesen.

7. Aktive Sätze

Aktiv geschriebene Texte zu lesen ist weniger anstrendgend und macht mehr Spaß. Und wer sagt, dass Masterarbeiten langweilig sein sollen? Modalverben (sollen, können, müssen), Passiv-Formulierungen (‚wird gemacht’ statt ‚ ... macht’) oder das Verwenden des Perfekts (hat gegeben, hat gemacht, hat gesungen) anstatt der Erzählzeit Präteritum (gab, machte, sang) machen Texte schwerfälliger und mühsamer zu lesen. Achte daher darauf, diese Formulierungen zu vermeiden!

Beispiel 1, passiv und Einschub:
Die Werbeeinnahmen der Unternehmen werden durch Adblocker, ein Programm das Werbung ausblendet, gefährdet.

Besser - aktiv und ohne Einschub: Adblocker sind Programme, die Werbung ausblenden. Sie gefährden die Werbeeinnahmen der Unternehmen.

Beispiel 2, passiv:
Um das Thema besser einordnen zu können werden im folgenden die Begriffe X, Y und Z erklärt.

Besser - aktiv: Um das Thema besser einzuordnen, erkläre ich im Folgenden die Begriffe X, Y und Z. Oder: Für die bessere Einordnung erkläre ich im Folgenden die Begriffe X, Y und Z.

8. Ein Gedanke pro Absatz/Satz

Trenne deine Gedanken voneinander. Das macht deinen Text nicht nur besser verständlich und nachvollziehbarer, sondern hilft dir auch, rasch an Textmenge zu gewinnen. Die zuvor genannte Regel ‚Führe deine Gedanken zu Ende’ ergänzt sich perfekt mit dieser. Indem du das ‚Warum’ erklärst (mehr Text) und die Gedanken durch Absätze von einander trennst (neuer Absatz), erreichst du als positiven Nebeneffekt rascher die minimale Seitenvorgabe.

9. Die Zeiten Präsens, Präteritum, Perfekt

Das Perfekt (ich bin gegangen, er hat gesagt) macht Sätze länger und schwerfälliger. Verwende daher das Präteritum (ich ging). Außerdem: Im Deutschen sind das Präsens (‚ich gehe’) und das Präteritum (‚ich ging’; früher ‚Imperfekt’ genannt) die Erzählzeiten. In der bayerisch-österreichischen Dialektgruppe verwenden wir (ich jedenfalls) in mündlichen Erzählungen aber anstelle des Präteritums das Perfekt (bin ich gegangen, ich hab gemacht, ...). Für manche von uns klingt das Präteritum sehr seltsam und ungewohnt (‚das klingt so preußisch!’), ist im Deutschen aber korrekt! Das Perfekt (ich bin gegangen) ist erlaubt, wenn du Vorzeitigkeit in der Erzählzeit Präsens ausdrückst (‚Es ist gar nichts mehr übrig von dem Geld, das ich ihm gegeben habe').

10. Visuelle Aufbereitung von Informationen

Überlege dir bei komplexen Beschreibungen von Sachverhalten, ob Grafiken und/oder Tabellen die Inhalte unterstützen und rascher konsumierbar machen. Mit Grafiken stellst du das Geschriebene bildlich dar. Das ist gut, denn wir nehmen Informationen in Bildern rascher und besser auf und du erweist deinen Lesern damit einen Dienst. Tabellen geben einen besseren Überblick über Zahlen als Beschreibungen im Fließtext. Abgesehen davon machen Grafiken und Tabellen das Erscheinungsbild der Arbeit abwechslungsreicher und damit kurzweiliger.

11. Rechtschreibung und Grammatik – schreibe Korrekt

‚Ist doch klar’, denkst du dir. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass korrekte Schreibweise sehr wichtig ist. Du machst dir den Eindruck fundiertester Aussagen mit fehlerhafter Schreib- und Ausdrucksweise zunichte und riskierst eine schlechtere oder nicht genügende Beurteilung. Hast du Schwierigkeiten dabei bzw. bist du dir beim Korrekturlesen nicht 100%ig sicher, dann frage oder beauftrage jemanden, der dir das abnimmt. Das ist durchaus üblich. Du selbst bist inhaltlich zu sehr mit deiner Masterarbeit verhaftet und hast nicht mehr den nötigen Abstand, um Fehler zu bemerken.

12. Plane genügend Zeit für das Lektorat ein

Du hast vor, die fertige Arbeit lektorieren zu lassen? Gut! Sei dir dabei bewusst, dass Lektorate Zeit kosten. Schon die Preiskalkulation für dein Angebot braucht Zeit: oft ist dafür sogar ein Probelektorat von ein, zwei Seiten notwendig und auch dafür muss der Lektor Zeit einplanen! Wird lektoriert, gibt es manchmal Bedarf an Rücksprachen und Abstimmungen. Und die konsumieren ebenfalls Zeit. Der Lektor muss außerdem gerade Zeit für dein Projekt haben, das mehrere Tage seiner Zeit in Anspruch nimmt. Recherchiere also rechtzeitig nach Anbietern, hole Angebote ein und stimme dich mit dem ausgewählten Anbieter ab. Vielleicht ist ja sogar die von der Lektorin gesetzte verbindliche Deadline für die Abgabe der notwendige Kick, den du für das Finalisieren deiner Arbeit brauchst? ;-)

Ein Freund von mir hat übrigens einen Tipp an Studierende so formuliert: ‚Suche dir im Vorfeld des Studiums eine Lektorin und befreunde dich mit ihr’ – eine weitere mögliche Variante, dir ein Lektorat und die erfolgreiche Abgabe der Masterarbeit zu sichern :)

Fallen dir weitere Tipps ein? Oder hast du Fragen dazu? Ich freue mich über Antworten und Kommentare!

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